Geschichte der Rabenscheider Kirche

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Das Schiff im Osten von drei Seiten eines Fünfecks geschlossen, entstand 1767. Es wurde damals an den im Kern älteren Turm angebaut. Ein Brand zerstörte 1811 das Schiff, der anschließende Umbau erfolgte durch Schrumpf, der noch 1815 mit den Arbeiten beschäftigt war. Die Einrichtungen gehen auf den Zimmermeister Karl Hollmann aus Greifenstein zurück, der auch das heutige Turmdach aufschlug. Das Kirchengestühl besitzt geschweifte mit flachen Blattreliefs gezierte Wangen. Vier kannelierte dorische Säulen tragen die mit hochrechteckigen Füllungen versehene Brüstung der Empore.

Ein neues Dach für den Rabenscheider Kirchturm 1792/93

Die Kirche zu Rabenscheid, ein trutziger Bau, war sicher schon einige Jahrhunderte alt, als 1792 das Turmdach erneuerungsbedürftig wurde. Das Dorf gehörte damals zur Pfarrei und zum Amt Driedorf. Am 8. Mai des genannten Jahres richteten Heimberger Johann Christian Schneider von Rabenscheid und Zimmermeister Adam Grünschlag von Münchhausen einen „Gehorsamsten Bericht an das Hochfürstliche Amt Driedorf, die Erbauung eines Kirchturms betreffend“ (gemeint war nur das Turmdach); sie baten darum, dass man der Gemeinde die „herrschaftlichen Seile“ leihen möge, um damit das alte Bauholz herabzulassen und das neue hinaufzubringen. Vom Amtsvikarius Hatzfeld befürwortet, ging das Gesuch am gleichen Tag an die Fürstliche Landesregierung in Dillenburg weiter, wurde aber wenige Tage später – nach Anhören der Rentkammer – abgelehnt mit der Begründung, dass man auch anderen Gemeinden (z.B. Donsbach) gleiche Anträge abgeschlagen habe, weil sonst die Seile in kurzer Zeit gänzlich verdorben sein würden.

Mehr Glück hatte die Gemeinde mit ihrer zehn Tage später geschriebenen „Untertänigen Bitte und Vorstellung“ um Befreiung vom Zoll und Chausseegeld für den Dachschiefer zum Kirchturm. Der Schiefer sollte in Langhecke im Fürstentum Weilburg geholt werden. Das Amt Mengerskirchen erhielt am 29. Mai von der Rentkammer Anweisung, an den Orten, wo Zoll und Chausseegeld erhoben wurden (z.B. in Niedershausen), bekanntzugeben, dass die Gemeinde Rabenscheid für Schiefersteine keine Abgaben zu zahlen habe.

Im November 1792 bat die Gemeinde um Nachlass von 31 Gulden Holzgeld für zwei Eichenstämme, die der Amtsjäger Thies in Schönbach aus dem herrschaftlichen Wald bei Hirschberg angewiesen hatte; Ende des nächsten Jahres wurde ein Teilbetrag von 17 Gulden 24 Albus als „Unterstützung zum Bau“ erlassen.

Am 12. Januar 1793 forderte die Rentkammer in Dillenburg vom Amt Driedorf ein „Kostenverzeichnis über die Erbauung des Kirchturms zu Rabenscheid“ an. Die am 19. Oktober eingereichte und von dem Baumeister Johann Jakob Weber (wahrscheinlich aus Driedorf), dem Heimberger Schneider und den Vorstehern Johann Jost Post und Johann Jost Immel unterschriebene Aufstellung umfasste elf Positionen im Gesamtbetrag von 511 ½ Gulden. Im einzelnen waren – einschließlich Fuhrlöhne und sonstige Unkosten – ausgegeben worden:

Für Bauholz – 147 ½ Gulden

An Lohn für den Zimmermeister – 90 Gulden

An Maurerlohn für Ausbesserung der Mauer am Turm – 32 Gulden

Für Bretter – 39 Gulden

Für Schiefersteine – 70 Gulden

Für Decknägel zu den Schiefersteinen – 36 Gulden

An Lohn für den „Steindecker“ – 36 Gulden

Für den Knopf und an Arbeitslohn des Schlossers für das Kreuz auf dem Turm – 16 Gulden

An Lohn für den Schreiner – 11 Gulden

Für Kalk zur Ausbesserung des Turms – 22 Gulden

„Dem Baumeister seinen Lohn“ – 12 Gulden

In der Zusammenstellung fällt auf, dass die Decknägel genau so viel kosteten wie der Dachdecker an Lohn erhielt. Eisenartikel müssen damals sehr teuer gewesen sein. – Über das Honorar des Baumeisters brauchte die Gemeinde sich nicht zu beklagen; es betrug 2,35 Prozent der Bausumme.

Weniger als 20 Jahre später, 1811, wurde das neue Kirchendach beim Brand des Dorfes ein Raub der Flammen.

Quelle: HstA Wiesbaden, Abt. 173, Nr. 2328

Wiederaufbau der Rabenscheider Kirche

 Bei dem Dorfbrand in Rabenscheid 1811 wurde auch die Kirche, deren Turm erst im Jahr 1792 ein neues Dach bekommen hatte, bis auf das Mauerwerk vom Feuer zerstört. Rabenscheid gehörte damals noch zum Kirchspiel Driedorf. Dessen „Kirchenrat“ – wohl dem heutigen Kirchenvorstand vergleichbar – schrieb im September 1812 an den großherzoglich bergisch. Präfekten des Sieg-Departements in Dillenburg, die Gemeinde sei willens, ihre zerstörte Kirche wieder aufzubauen und bitte darum, den Baudirektor zur Besichtigung und Kostenberechnung nach Rabenscheid zu entsenden. Die Mittel für den Wiederaufbau sollten aufgebracht werden durch die Verpachtung der Hammelweide und die Inanspruchnahme des Kirchenfonds, dessen Kapital etwa 500 Gulden betrage. Besonders die Arbeiten für die Wiederherstellung des Turmdachs seien dringlich, weil die Gemeinde bereits zwei neue Glocken angeschafft habe, die auf dem Gemäuer des Kirchturms aufgehängt seien und dort leicht Schaden nehmen könnten.

Den Verwaltungsgewohnheiten entsprechend, forderte der Präfekt zunächst den Maire in Driedorf auf, über das Bauvorhaben näher zu berichten, und schrieb unter anderem: „Ehe die Rede von der Wiederaufbauung dieser Kapelle sein kann, ist zu untersuchen, ob deren Wiederherstellung überhaupt notwendig oder nützlich sei, oder ob die fraglichen Glocken nicht anderwärts schicklich untergebracht werden können.“ Der Maire solle die Munizipalräte dazu hören. Eine Verwendung des Kirchenfonds für den Wiederaufbau werde nicht in Aussicht gestellt.

Marie Hatzfeld sandte die Niederschrift der Beratung an den Präfekten und befürwortete den Wiederaufbau der Kapelle mit dem Bemerken, dass Rabenscheid „ein merklich starkes Dorf sei (und) dass es mit nur sehr geringer Ausnehme durchgängig wohlstehende, schuldenfreie Einwohner zähle“. Der Präfekt jedoch, als Vertreter einer von Frankreich gesteuerten Regierung, die für Schulen viel und für Kirchen wenig übrig hatte, zögerte noch immer mit der Genehmigung. Anfang Dezember 1812 beauftragte er den Baudirektor und Departementsarchitekten Schrumpf in Dillenburg, einen Bau- und Kostenplan aufzustellen. In seinem Schreiben heißt es: „Der Kirchenrat von Driedorf trägt mit dem Maire und Gemeinderat auf die Wiederherstellung der daselbst bis auf die Mauern abgebrannten Rabenscheider Kapelle an. Die dazu erforderlichen Kosten werden auf 3000 France angeschlagen und können, wenn sie nicht mehr betragen, größtenteils aus den dazu vorhandenen Mitteln bestritten werden. Ich bin daher auch nicht geneigt, die Wiederherstellung dieser Kapelle zuzugeben, wenn das vorhandene Schulgebäude nicht auch zum Bethaus gebraucht werden kann; ich wünsche daher, dass Sie sobald Ihre übrigen Geschäfte es zulassen, an Ort und Stelle sich verfügen, um zu untersuchen, ob die Wiederherstellung der Kapelle nötig (ist, oder) ob die Schule deren Stelle nicht vertreten könne; in welchem Zustand die Schule sich befinde, ob dieselbe für etwa 40 bis 50 Schulkinder hinlänglichen Raum habe und zweckmäßig eingerichtet oder einzurichten sei; ferner ob, wenn es erforderlich sei, die Kapelle zu bauen und die Schule zu erweitern oder sonst zu verändern, es nicht angehe, die Schule in der Kapelle anzubringen“.

Der Maire erhielt Nachricht über diese Veranlassung und die Anweisung für eine sichere Unterbringung der Glocken zu sorgen, da bei der schon weit fortgeschrittenen Jahreszeit im laufenden Jahr eine Bedachung des Turms nicht mehr möglich sei.

Die Ereignisse der Jahre 1812 bis 1814 (Feldzug Napoleons gegen Russland und dessen Folgen) hatten die Bevölkerung so stark belastet, dass mit den Bauarbeiten an der Kirche in Rabenscheid erst im Frühjahr 1815 begonnen werden konnte. Der frühere Finanzierungsplan war inzwischen überholt und die Gemeinde sah sich veranlasst, im September des gleichen Jahres bei der neuen Regierung die Genehmigung für eine „Schlüsselkollekte“ in den Kirchen zu beantragen. Pfarrer Westerburg in Driedorf ergänzte den Antrag mit dem schriftlichen Zusatz: „Die Gemeinde ist zwar nicht arm, doch fällt’s ihr, die vor mehreren Jahren durch eine mörderische Viehseuche wie auch durch einen und den vorigen französischen Krieg gelitten hat, schwer, den ganzen Bau den der Herr Landbaudirektor zu 1700 Gulden angeschlagen hat, aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Der Amtmann gab das Gesuch mit Befürwortung am 3. Oktober weiter und erhielt am 27. Februar 1816 den Bewilligungsbescheid. Die Kollekte erstreckte sich auf die 30 reformierten Kirchspiele der früheren nassau-oranischen Fürstentümer Diez, Dillenburg, Hadamar und Siegen. Sie brachte rund 113,5 Gulden; den größten Einzelbetrag mit rund 10,5 Gulden gab das Kirchspiel Driedorf, dem Rabenscheid angehörte, und die kleinste Spende – ein Gulden – kam von den (wenigen) Reformierten in den katholischen Ortschaften Rennerod und Mengerskirchen.

Diese Einnahme und der Erlös für die an Herborner Metzger verpachtete Hammelweide, auch die (schließlich doch noch genehmigte) Verwendung des Kirchenfonds und ein Zahlungsnachlass der Landesregierung in Höhe von 81 Gulden für Bauholz aus dem herrschaftlichen Forst „Thiergarten“ bei Dillenburg vermochten jedoch nicht die Baukosten zu decken. Die Gemeinden waren in der Franzosenzeit (1806 bis 1813) verarmt, und ihre Spendefähigkeit war gering, wie wir oben gesehen haben. So zogen sich die Bauarbeiten über weitere Jahre hin und besonders bei der Innenausstattung der Kirche musste gespart werden. Im Jahr 1818 erwarb der Schultheiß Johann Jakob Zöllner von Rabenscheid für 36 Gulden die Kirchenstühle und die Kanzel der ehemaligen reformierten Kirche Rennerod. Schultheiß Zöllner war auch Aufseher und Rechner für den Kirchenbau, und es war peinlich für ihn, dass er die letzten Handwerker lange auf ihr Geld warten lassen musste.

Weißbindermeister Martin Weißgerber aus Herborn, der 1821 die Weißbinderarbeiten in der Kirche für 51 Gulden akkordiert und sie im Juli 1822 fertiggestellt hatte, richtete 14 Monate später ein Gesuch an die Landesregierung mit der Bitte, ihm zu seinem ausstehenden Geld zu verhelfen.

Im Juli 1819 war Rabenscheid zum Kirchspiel Breitscheid gekommen. Wahrscheinlich konnte auch die Pfarrgemeinde Breitscheid ihrer neuen Filiale keine Unterstützung zum Kirchenbau gewähren. Die für diesen Beitrag benutzten Akten zumindest erwähnen solche Hilfe nicht.

Anmerkungen:

Maire – sprich:     Mär – ist die französiche Bezeichnung für den Bürgermeister einer Stadt oder einer Verbandsgemeinde.
Munizipalräte –    Vertreter der Gemeinden innerhalb der Bürgermeisterei.

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